Elektrotechnik zeichnet sich durch große Interdisziplinarität aus.
Elektrotechnik ist ein schwieriger, aber vielseitiger Studiengang. Foto: gettyimages/SolisImages
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09. Jul 2019

UNICHECK

So schwer ist das Elektrotechnik-Studium

Was macht ein Elektrotechnik-Studium schwer?

Je nach Spezialisierung kann ein Elektrotechniker später zum Beispiel in folgenden Branchen arbeiten:

  • Mikroelektronik
  • Maschinenbau
  • Energieversorgung
  • Telekommunikation

Du musst dir jedoch darüber im Klaren sein, dass ein Elektrotechnik Studium sehr anspruchsvoll und schwer sein kann.

  1. Inhalte
  2. Spezialisierungen
  3. Durchfallquoten
  4. Mathelastigkeit
  5. Erfahrungsbericht
  6. Fazit

1. Studieninhalte

Das zeigen bereits die Studieninhalte. Natürlich erwarten dich Kurse, in denen du alles rund um elektrische Maschinen und elektrische Antriebe lernst. Diese Fächer wirst du jedoch erst in späteren Semestern belegen können. Davor erwartet dich vor allem viel Theorie in Mathematik und Physik. Es gibt dabei nur geringe Unterschiede zwischen dem Praxisanteil an Universitäten und Fachhochschulen.

Außerdem wirst du im Elektrotechnik Studium mehr mit Informatik zu tun haben, als in anderen Studiengängen. Das zeigt sich beispielsweise bereits im Stundenplan, in welchem du folgende Kurse wiederfinden könntest:

  • Informatik
  • Digitale Systeme
  • Mikrocontrollersysteme
  • Software Engineering
  • Automatisierungstechnik

Neben der Fähigkeit, Zusammenhänge der Informatik verstehen zu können, ist es außerdem von Vorteil, wenn du über gute Computerkenntnisse verfügst, denn der Elektrotechnik werden mittlerweile viele Computerberechnungen und -simulationen durchgeführt.

Empfehlenswerte Studiengänge

Elektro- und Informationstechnik (B.Eng.)

Elektro- und Informationstechnik B.E.

Unabhängig von der Informatik erwarten dich folgende Fächer im Studium:

  • Mess- und Regelungstechnik
  • Energietechnik
  • Leistungselektronik
  • Elektrische Energietechnik
  • Technische Physik
  • Elektronische Bauelemente und Schaltung
  • Mikroelektronik

Wie bereits erwähnt wirst du die mathematischen und physikalischen Grundlagen der Fächer vor allem in den ersten Semestern kennenlernen, ebenso wie ein wenig Mechanik und Chemie. Ohne die Grundlagen zu kennen, kannst du schließlich nicht direkt praktisch loslegen. Dies stellt für einige Studierende ein Problem dar, da man geradezu mit Informationen überschüttet wird.

Ein nicht zu vernachlässigender Teil deines Studiums werden auch deine Englischkenntnisse und die Erweiterung dieser sein. Nicht zuletzt benötigst du technisches Englisch, um Fachliteratur lesen und verfassen zu können, sondern du solltest auch in der Lage sein, Vorträge auf Englisch zu verstehen und selbst zu halten. Die Internationalität und weltweite Wichtigkeit des Studiengangs sind nämlich nicht zu unterschätzen.

Auch deine Programmierfähigkeiten werden während des Elektrotechnik Studiums ausgebaut.

2. Spezialisierungen

Nachdem du deinen Bachelor in Elektrotechnik trotz aller Schwierigkeiten mit Physik, Mathe und Informatik abgeschlossen hast, kannst du dich im Masterstudium schließlich praktisch spezialisieren. Wichtig ist, zu bedenken, dass du das theoretisch Gelernte nun auch in der Praxis anwenden können musst – damit haben einige Studierende ein Problem.

Mögliche Spezialisierungen sind:

  • Energietechnik
  • Automatisierungstechnik
  • Robotik
  • Informations- und Kommunikationstechnik

Dies sind jedoch nicht alle Möglichkeiten – am besten hast du ein gutes Auge darauf, was dir im Grundstudium gut liegt und welche Möglichkeiten es gibt, deine Affinitäten im Master auszubauen.

3. Durchfallquoten

Auch im Elektrotechnik Studium haben besonders viele Studierende mit dem Stoff der ersten Semester zu kämpfen, so dass die Durchfallquoten in den Mathe- und Physikklausuren besonders hoch sind.

Schließlich entscheiden sich auch heute noch relativ viele Studierende dafür, das Elektrotechnik Studium abzubrechen – nicht zuletzt, weil sie vielleicht durch die ersten Semester desillusioniert wurden. So liegt die Abbruchquote an Universitäten bei 53 Prozent. An Fachhochschulen ist sie mit 36 Prozent ein wenig geringer, was eventuell durch die unterschiedliche Lernatmosphäre bedingt ist. An FHs besteht nachweislich schließlich mehr Nähe zum Dozenten und die Kurse sind ebenfalls kleiner.

Um mehr Studierende erfolgreich durchs Studium zu bringen, ergreifen einige Hochschulen mittlerweile Initiativen. So streckt die Hochschule Osnabrück beispielsweise die Inhalte der ersten Semester so, dass sie nicht mehr in so kurzer Zeit absolviert werden müssen. Es ist also möglich, sich die Grundlagen langsamer und gründlicher anzueignen.

4. Mathelastigkeit

Wie bereits erwähnt sind besonders die ersten Semester sehr mit theoretischer Mathematik und Physik behaftet. Solltest du in der Schule den Mathe LK belegt haben, ist deine Note jedoch nicht zwangsläufig ausschlaggebend dafür, wie du mit der Mathematik im Elektrotechnik Studium klarkommst. Sie unterscheidet sich nämlich maßgeblich von dem, was du in der Schule lernst.

Wie mathelastig ist das Elektrotechnik Studium genau? Dich erwarten unter anderem folgende mathematische Zusammenhänge im Studium, mit denen du im späteren Berufsleben auch zu tun haben wirst:

  • Komplexe Zahlen
  • Lineare Algebra
  • Differentialrechnung
  • Integralrechnung
  • Reihenentwicklung
  • Differentialgleichungen
  • Mehrfachintegrale
  • Laplace

Durch Fleiß und die Zusammenarbeit mit Lerngruppen solltest du dir diese Themen erarbeiten und sie verstehen können. Wenn dich jedoch der bloße Gedanke an Mathematik in diesem Ausmaß in Panik ausbrechen lässt, solltest du deine Studienwahl vielleicht noch einmal überdenken.

5. Erfahrungsbericht

Bastian, 27, Elektrotechnik-Student:

"Nach dem Abitur war ich in Sachen beruflicher Zukunft erst einmal planlos. Während meiner Zivi-Zeit habe ich dann verschiedene Berufsmessen besucht und überlegt, was mir in der Schule am meisten Spaß gemacht hat. Dabei kam ich ziemlich schnell auf Mathe und Physik. Herauszufinden, wie elektronische Geräte, die man täglich benutzt, funktionieren, fand ich spannend und so entschied ich mich für Elektrotechnik. Zu meinem Fach gehören auch die Grundlagen der Programmierung, das Thema Bauelementlehre und natürlich jede Menge Mathe. Für meine Masterarbeit habe ich Versuche mit Aufmerksamkeitsdetektoren gemacht. Mit ihrer Hilfe erkennt das Auto, dass der Fahrer müde wird, und warnt ihn. Der Beginn des Studiums ist hart, da muss man sich wirklich durchbeißen. In den ersten Semestern wird man mit Informationen überflutet.

Man lernt viele Grundlagen, erst später kommt der Aha-Effekt und man merkt, wie die einzelnen Fächer zusammenfließen. Sicher muss man viel lernen, aber es kommt vor allem darauf an, Dinge und Zusammenhänge zu verstehen und diese auch unter neuen Umständen anwenden zu können. Am Anfang fällt es schwer zu erkennen, was wirklich wesentlich ist, aber nach einem oder zwei Semestern bekommt man einen Blick dafür. Um zu testen, was wir im Studium gelernt haben, haben meine Kommilitonen und ich ein Praxissemester gemacht. Bei meinem Arbeitgeber, einer Firma für Heiztechnik, bin ich danach auch als Werkstudent geblieben und habe so nicht nur Berufserfahrung gesammelt, sondern auch noch Geld verdient. Wenn alles gut geht, werde ich dort auch nach meinem Master anfangen können."

6. Fazit

Ein Studium der Elektrotechnik ist richtig für dich, wenn:

  • Du technikaffin bist und dich elektrische Geräte faszinieren
  • Du fleißig bist und Mathe dich nicht abschreckt
  • Physik zu deinen Lieblingsfächern gehört
  • Du gern Neues lernst
  • Dich die Vorstellung reizt, in einer immer weiterwachsenden Branche zu arbeiten

Du fragst dich, ob Maschinenbau, Bauingenieurwesen und Mechatronik vielleicht eher für dich infrage kommen?
 
Hier erfährst du, wie schwer die anderen Studiengänge dieser Fachrichtung sind:

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