Park in Tilburg mit Kirschbäumen
Foto: Thinkstock/Jitchanamont
Autorenbild

10. Nov 2016

Johanna Burkert

Studieren in Tilburg (NL)

Großstadt in Nordbrabant

Mit ca. 213.000 Einwohnern ist Tilburg zwar recht beschaulich, ist aber dennoch die sechstgrößte Stadt in den Niederlanden. Auch wenn manch einer das typische „Großstadtflair“ vielleicht vermisst, schätzen die meisten eben genau diese Beschaulichkeit. Die üblichen Läden findet man auf jeden Fall und die verschiedenen Kaffees und kleinen Lokale laden zu einem gemütlichen Studentenabend ein. Auch wenn Tilburg nicht dem typischen Klischeebild niederländischer Städte entspricht (Grachten, Boote, Tulpen), so hat diese Stadt doch ihren eigenen Charme. Und auch Wasserliebhaber kommen nicht zu kurz: die Stadt ist von einem Kanal umgeben und der Piushaven im Zentrum lädt zu gemütlichen Picknicks im Sommer ein. Da die Stadt in Brabant liegt, wird hier brabants gesprochen – gekennzeichnet durch ein „sachtes G“. Wer das niederländische G („ch“ ausgesprochen) schwierig findet, wird sich hier also bestimmt wohlfühlen.

Ebenfalls interessant für Studenten: die Trappistenbrauerei La Trappe. Mit einer kleinen Radtour verbunden kann man das ehemalige Trappistenkloster besichtigen und anschließend das dort gebraute Bier verkosten. 

Hochschulen in Tilburg

Fontys – University of Applied Sciences

Die Fontys ist eine im Zentrum der Stadt gelegene (Fach)Hochschule. Ein breit gefächertes Studienangebot bietet den Studenten die Möglichkeit, einen berufsqualifizierenden Abschluss zu erwerben. Mit einem Premaster kann man an der Uni danach einen Master machen, wenn man möchte.

Avans – University of Applied Sciences

Avans bietet in verschiedenen niederländischen Städten Studien- und Ausbildungsgänge an. Allerdings sind nur wenige in englischer Sprache und der Standort Tilburg bietet leider keine englischen Studiengänge an. 

Tilburg University

Laut Keuzegids die beste allgemeine Universität in den Niederlanden, bietet die Tilburg University Bachelor- und Masterstudiengänge in den verschiedensten Fachrichtungen. Auch wenn die Universität vor allem für Studiengänge in Finanzwesen und Wirtschaft (auch weltweit) bekannt ist, finden auch Studierende anderer Fächer hier viele Möglichkeiten. So wird z.B. das neu eingerichtete Virtual Reality Lab in Seminaren für Jurastudenten eingesetzt, um eine Gerichtssituation zu simulieren. Insgesamt hat der Campus einen sehr hohen Freizeitwert. Am Ende der Stadt gelegen, kann man in Lernpausen schnell eine Runde durch den Wald drehen oder gemeinsam auf den weiträumigen Grünflächen Mittag essen. Ab 2018 wird es darüber hinaus noch ein neues Gebäude geben, um mehr Platz für Selbststudiums, Lern- und Testräume zu schaffen.

Studentenstadt Tilburg

Mit 29.000 Studenten ist Tilburg trotz seiner Beschaulichkeit eine, wie die Niederländer sagen würden, bruisend Studentenstadt. Ob (Pop)konzerte international bekannter Künstler im POPpodium, einer Kneipentour am Donnerstagabend (dem typischen Ausgeh-Abend der Studenten) oder Hockeytraining – für jeden ist eigentlich etwas dabei, man muss sich nur umschauen. Wie in den Niederlanden üblich, gibt es hier diverse Verbindungen und Sportvereine – alle mit einem anderen Motto aber einem Ziel: so viel Spaß und gezelligkeit wie möglich ins Studentenleben zu bringen. Umschauen und reinschnuppern lohnt sich, viele bieten in den ersten Studiumswochen eine offene Zeit an und man findet so meist gute Freunde.

Wer deutsche Lebenshaltungskosten gewohnt ist, wird am Anfang vielleicht erst einmal geschockt sein – die liegen hier nämlich deutlich höher. Ein Insidertipp ist deshalb der im Zentrum stattfindende samstägliche Wochenmarkt. Vor allem, wenn man am Ende der Marktzeit kommt, kann man meist sehr günstig frisches Gemüse und Obst, sowie Brot und Käse ergattern. Insgesamt kann man, je nach Wohnung und Bedarf, mit ca. 700 Euro Lebenserhaltungskosten rechnen.

Auch Wohnungen sind deutlich teurer als in Deutschland, auch wenn sie in Tilburg schon deutlich unter den Preisen der anderen großen Städte (z.B. Amsterdam liegen). Das in Deutschland unbekannte studentenhuis (eine Gruppe von Studenten, die sich zusammen ein Haus teilen) ist eine kostengünstige Alternative, meist jedoch mit einem WG-Casting verbunden. Wer es lieber etwas überschaubarer hat, findet auch kleinere WGs – allerdings lohnt es sich immer, früh genug zu suchen (auch über soziale Medien), da besonders viele internationale Studenten zum Austauschsemester nach Tilburg kommen.

Wer gerne neben dem Studium arbeiten möchte (oder muss), sollte wenigstens ein bisschen Niederländisch können. Besonders verbreitet sind Jobs in Bars oder Eventagenturen, bei denen man flexibel arbeiten kann. Jedoch muss man beachten, dass der Mindestlohn deutlich unter dem Deutschen liegt und meist nach Alter gestaffelt ist. Die Universität bietet manchmal Student-Assistant Jobs, die sehr gut bezahlt sind. Es lohnt sich, die Augen offen zu halten!

Besonders für die, die gerne etwas vom Land sehen möchten, ist die zentrale Lage attraktiv. Amsterdam und Maastricht sind beide in ca. 1,5 h mit dem Zug zu erreichen, nach Eindhoven ist es nur eine halbe Stunde. Viele fliegen von Eindhoven Airport nach Hause, zum Teil auch, weil Tickets günstiger sind als von Amsterdam. Zugfahrtickets können auf kurzen Strecken teuer wirken, sobald man aber in der Gruppe reist, lohnt es sich auf jeden Fall. Besonders gut sind auch die Radwege – im Vergleich zu Deutschland ist man hier abseits der normalen Straßen besonders sicher unterwegs. Ein Helm ist allerdings trotzdem ein Muss! 

Auch wenn Tilburg eher beschaulich ist, machen besonders Studentenleben, die guten Ausbildungsmöglichkeiten, sowie der hohe Freizeitwert der Stadt dies wieder wett!

Artikel-Bewertung:

3.09 von 5 Sternen bei 217 Bewertungen.

Passende Artikel

Deine Meinung: