Junge Polizistin bei der Recherche in einem Fall
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15. Sep 2016

UNIcheck

Kriminologie studieren

Dem Verbrechen auf der Spur

Im Zentrum des Kriminologie Studiums steht die Forschung nach den Ursachen und Erscheinungsformen der Kriminalität. Innerhalb des Studiums werden die verschiedenen Mechanismen und Hintergründe von Straftaten vermittelt. Dabei handelt es sich um ein vorwiegend theoretisches Studium, welches sich nicht oder nur wenig mit relevanten Praxisbeispielen beschäftigt. Allerdings ist die Kriminologie eine interdisziplinäre Studienrichtung, die eng mit der Soziologie, Psychologie und den Rechtswissenschaften verbunden ist. Entsprechend wird dieser Studiengang an den meisten Universitäten der Fakultät für Rechtswissenschaften zugeordnet. Außerdem ist Kriminologie ein häufig angebotenes Wahlpflichtfach des allgemeinen Studiums der Rechtswissenschaften.

Das Kriminologie Studium

Der Studiengang Kriminologie befasst sich hauptsächlich mit psychologischen, pädagogischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Ursachen für Verbrechen. Entsprechend bedeutet das, dass du dich während des Studiums mit grundlegenden gesellschaftlichen Hintergründen von Straftaten beschäftigst und keine individuellen Kriminalfälle löst. Hierfür werden verschiedene Methoden und Erkenntnisse anderer Studienfächer benutzt.

Zu Beginn des Studiums erfolgt meist eine allgemeine wissenschaftliche Grundausbildung. Dabei werden vor allem Forschungsmethoden, Statistik und Mathematik vermittelt. Erst später kannst du dich in einem von vielen Themengebieten spezialisieren. Oftmals umfasst das Studium der Kriminologie außerdem zahlreiche Kurse des Fachgebiets Ethik, da die Kriminologie mit vielen sensiblen gesellschaftlichen Bereichen in Berührung kommt und ein entsprechendes ethisches Verhalten von den Absolventen vorausgesetzt werden muss.

Innerhalb Deutschlands besitzt die Kriminologie drei zentrale Schwerpunkte, die an jeder Universität vermittelt werden müssen. Dies sind die angewandte Kriminologie, die kritische Kriminologie und die kriminalpolitische Kriminologie.

Innerhalb der angewandten Kriminologie werden die theoretischen Grundlagen des Fachbereichs aufgearbeitet und für die Praxis nutzbar gemacht. Entsprechend werden in diesem Fachgebiet sogenannte "Kriminalprognosen" erstellt und analysiert, sodass du diese in der Praxis sowohl selbst anfertigen als auch interpretieren bzw. anderen Menschen erläutern kannst. Eine Kriminalprognose beurteilt, inwieweit eine bestimmte Person eine Bedrohung für sich oder andere Menschen darstellt und ob diese Person (erneut) eine Straftat begehen wird.

Die kritische Kriminologie hingegen ist deutlich stärker sozialwissenschaftlich ausgerichtet. In diesem Fachbereich wird den Studierenden vermittelt, dass kriminelle Tendenzen nicht angeboren sind. Es wird versucht, eine Ursache für die kriminelle Laufbahn eines Straffälligen in den Lebensbedingungen und sozialen Benachteiligungen seines Lebens zu finden. Entsprechend wird sich in diesem Fachbereich auch mit der Frage auseinandergesetzt, was Kriminalität überhaupt bedeutet.

In der kriminalpolitischen Kriminologie liegt der Fokus vor allem darauf, wie man Straftaten vorbeugen und sie bereits im Vorfeld verhindern kann. Entsprechend wird versucht, Handlungsempfehlungen abzuleiten, um Ursachen von Verbrechen präventiv vorzubeugen. Deshalb nimmt diese Disziplin auch großen Einfluss auf politische Entscheidungen, die Rahmenbedingungen für das gesellschaftliche Leben miteinander festlegen.

Vorkenntnisse und Zulassungsvoraussetzungen

Neben dem persönlichen Interesse für die gesellschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen, die kriminelles Handeln beim Menschen auslösen und einer starken Vorliebe für Mathematik und statistische Analyseverfahren sollten Studienanfänger auch praktische Berufserfahrung besitzen. An vielen Universitäten ist eine mehrjährige Berufserfahrung bei der Polizei, Sozialarbeit oder Justiz notwendig, um ein Kriminologie Studium aufnehmen zu können. Darüber hinaus ist das Studienfach Kriminologie meist mit einem Numerus clausus versehen, der je nach Anzahl der Bewerber stark variiert.

Kriminologie studieren an deutschen Hochschulen

Die an den verschiedenen Hochschulen angebotenen Studiengänge unterscheiden sich teilweise stark. Die wesentlichen Unterschiede bestehen zum Großteil in den angebotenen Profilen und Studienschwerpunkten. Je nach Hochschule kann beispielsweise der Schwerpunkt des gesamten Kriminologiestudiums auf der Gewaltforschung, der Beschäftigung mit Mordfällen oder Wirtschaftskriminalität liegen.

Ein besonders großer und angesehener Anbieter des Studiengangs Kriminologie ist die Universität Hamburg. Dort wird aktuell der weiterbildende Masterstudiengang Kriminologie mit dem Abschluss Master of Arts angeboten. Das spezialisierte Studium Internationale Kriminologie bietet die Universität ebenfalls an.

Möchtest Du dich eher in Richtung Strafrechtspflege spezialisieren, bietet sich die Uni Greifswald für das Studium der Kriminologie an. Dort erlangst du nach erfolgreichem Abschluss des Studiengangs Kriminologie und Strafrechtspflege den Abschluss Master of Laws und beschäftigt sich vor allem mit dem Strafrecht. In Bochum erwartet dich an der RUB der Studiengang Kriminologie und Polizeiwissenschaft. Einen Fokus auf die Gewaltforschung legt die Universität Regensburg: Hier kannst du Kriminologie und Gewaltforschung studieren.

Eine weitere Spezialisierung bietet die School of Criminal Investigation & Forensic Science (School CIFoS) mit ihrem Master of Arts in Kriminalistik an. Dieser Studiengang ist besonders praxisorientiert und bereitet direkt auf eine Beschäftigung bei Organen der ausführenden Gewalt vor.

Ablauf des Kriminologie Studiums

Das Wichtigste zuerst: Der Studiengang Kriminologie kann in Deutschland nur als weiterführender Masterstudiengang belegt werden. Es ist nicht möglich, den Studiengang mit einem Bachelorabschluss zu studieren. Entsprechend ist für das Kriminologie Studium ein abgeschlossenes Bachelorstudium in einem relevanten Studienfach notwendig. So stellt die wichtigste Grundlage für das Studium der Kriminologie ein grundständiges Studium der Rechtswissenschaften, Sozialwissenschaften oder Psychologie dar. Erst danach kannst du dich über zwei bis vier Semester in das Themengebiet der Kriminologie vertiefen und einen Master of Laws oder einen Master of Arts erlangen.

Studienbeginn ist in der Regel im Wintersemester. Im Studium selbst gehören sowohl praktische als auch theoretische Lehrveranstaltungen zum Stundenplan. In den Vorlesungen und Seminaren werden Konzepte erarbeitet und weiterführende Forschungsfragen überlegt. Anschließend können die Thesen empirisch im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts überprüft werden.

Da Kriminologie ausschließlich als Masterstudiengang angeboten wird, sind meist keine obligatorischen Praktika standardmäßig im Studienverlauf vorgeschrieben. Oft gibt es jedoch die Möglichkeit freiwillig ein zusätzliches Praktikum zu wählen, um weitere Berufserfahrung während des Studiums zu sammeln. Ebenfalls ist ein Auslandssemester an den meisten Universitäten eine rein freiwillige Möglichkeit. Da der Austausch nur mit ausgewählten Hochschulen möglich ist, solltest du dich bei der zuständigen Studienberatung der Hochschule erkundigen, an welchen Hochschulen du ein Auslandssemester durchführen kannst.

Berufsaussichten für Kriminologie-Studenten

Ein weit verbreiteter Mythos ist, dass Kriminologen direkt damit beschäftigt sind, Kriminalfälle zu lösen. Dieses Berufsbild trifft eher auf den Profiler zu und ist damit Absolventin des Studiengangs Psychologie vorbehalten. Kriminologen lösen aufgrund der nahezu verschwindend geringen Verbrechensrate in Deutschland kaum Kriminalfälle, sondern arbeiten lediglich an Verhaltens- und Fallanalysen.

Mit einem Studienabschluss in dem Studienfach Kriminologie kann der Absolvent in vielen verschiedenen Einsatzgebieten tätig werden. Besonders beliebt ist bei Absolventen der Einsatz in der Forschung. Diese findet meist an Hochschulen statt, kann aber auch bei Behörden der Verbrechensbekämpfung durchgeführt werden. Im Rahmen solcher Forschungsprojekte werden beispielsweise die Bedingungen des Strafvollzugs untersucht oder mögliche Präventionsmaßnahmen entwickelt.

Etwas praxisbezogener ist hingegen das Einsatzgebiet in der Gerichts- oder Bewährungshilfe. Weiterhin stellt die Justizverwaltung oft Kriminologen für freie Stellen der Rechtspflege ein. Dort wirst du sowohl bei Organen der ausführenden Gewalt als auch der Gesetzgebung tätig. Diese Tätigkeitsfelder sind vor allem für Absolventen interessant, die an der Erhaltung der öffentlichen Ordnung interessiert sind. Teilweise gehen Kriminologen auch einer freiberuflichen Tätigkeit nach. Diese kann beispielsweise als Sachverständiger bei kriminologischen Themen erfolgen.

Obwohl aufgrund der vielfältigen Einsatzgebiete eine allgemeingültige Gehaltsangabe nur schwer zu treffen ist, steht außer Frage, dass man Kriminologen bei einem Einstieg im öffentlichen Dienst entsprechend ihrer Qualifikationen mit einem guten Verdienst rechnen können. In der freien Wirtschaft ist der Verdienst natürlich vom Verhandlungsgeschick des Kriminologen abhängig.


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