Panorama von Maastricht
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09. Mai 2017

Anna Walter

Studieren in Maastricht (NL)

Quirlig, unkonventionell, modern

Wer in der ältesten Stadt der Niederlande studieren möchte, sollte nicht zu viel Traditionstreue erwarten. Hinter der typisch niederländischen Backsteinfassade versteckt sich eine quirlige, unkonventionelle Kleinstadt

Diese Vielseitigkeit ist allgegenwärtig. Drei grundverschiedene Brücken spannen sich über die Maas und verbinden die Ost- und Westhälfte der Stadt. Der Slogan „meet Europe“ bewahrheitet sich schon, wenn man durch die verwinkelten Gassen geht. Besucher aus Belgien, Deutschland und Frankreich mischen sich unter die mehrheitlich ausländischen StudentInnen.

Neben der fußgängerfreundlichen Innenstadt lohnt sich Maastricht wegen der gemütlichen Cafés und modernen Stores. Nur wer genau hinschaut, entdeckt das moderne Buchgeschäft in einer alten Kirche. Nach einem Spaziergang durch die Grotten schätzt man den weitläufigen Ausblick vom benachbarten St. Pietersberg umso mehr.

Hier, im Süden der Niederlande, spricht man „Limburgs“. Dieser Dialekt ist weicher und leicht verständlich: Hallo heißt „Hoi“, Tschüss heißt „Hoi Hoi“. 

Hochschullandschaft in Maastricht

Die rund 16.000 StudentInnen verteilen sich auf 5 Hochschulen. Die Kunsthochschule Jan van Eyck beherbergt Maastrichts beste Mensa. Aus dem Conservatorium hört man die MusikstudentInnen üben. Hochschulabsolventen können die Maastricht School of Management besuchen. Die Hogeschool Zuyd bietet Programme ähnlich einer Fachhochschule an. Die größte und internationalste Einrichtung ist die renommierte Maastricht University mit ihren 6 Fakultäten, die in pittoresken Gebäuden über die Stadt verteilt sind:

School of Business and Economics (SBE): Maastricht Universities größte Fakultät mit 4200 Studenten, von den 60% aus dem Ausland kommen. Sie hält die Triple Crown Accreditation (AACSB, AMBA, EQUIS), die nur von 1% aller Business Schools weltweit getragen werden darf und in Deutschland nur die öffentliche Mannheim Business School und die privaten Hochschulen ESCP und die ESMT besitzen.

Faculty of Health, Medicine and Life Sciences (FHML): Die Älteste Fakultät der Maastricht University, an der fast 2000 Studenten eingeschrieben sind und auch Medizin auf Englisch anbietet.

Faculty of Psychology and Neuroscience (FPN): Die FPN bietet das Psychology Studium auf Englisch sowie auf Niederländisch an und beheimatet viele Internationale Studenten. Aktuell sind 1500 Studenten hier eingeschrieben.

Faculty of Law: Für alle Juristen, die später einmal international arbeiten möchten, oder sich nicht auf deutsches Recht beschränken möchten bietet die Faculty of Law unter anderem den Studiengang European Law an.

Faculty of Arts and Social Sciences (FASoS): Mit einem 70% Anteil an internationalen Studenten ist die FASoS die Fakultät mit den meisten Ausländischen Studenten. Der Studiengang European Studies ist hier sehr beliebt und bietet die Möglichkeit eines Auslandssemesters oder Praktikums.

Faculty of Humanities and Sciences

Besonders ist an dieser Uni das sogenannte Problem-Based Learning. Dabei werden die Inhalte praxisnah in Kleingruppen von maximal 15 Studenten in sogenannten Tutorials vermittelt. Gelernt wird voneinander und miteinander. Selbstständigkeit und kritisches Denken genauso wie zwischenmenschliche Kompetenzen zeichnet die AbsolventInnen aus. Die meisten Studiengänge sind englischsprachig.

Kaum überraschend belegt die UM jährlich Bestplätze in weltweiten Rankings und wurde 2016 mit Platz 4 sowie 2017 mit Platz 6 beim renommierten Times Higher Education Ranking für Universitäten unter 50 Jahren ausgezeichnet. Eine eigene Plattform für Praktika und firmenspezifische Ansprechpartner helfen Absolventen Karrierechancen wahrzunehmen. Mit der Gründung im Jahr 1976 ist die Hochschule vergleichsweise jung, doch prägt sie die Stadt maßgeblich.

Studentenleben in Maastricht

Während die Niederländer typischerweise ihre Freizeit in Studentenverbindungen verbringen, gibt es zahlreiche Institutionen, die zum Engagement anregen. So organisieren StudentInnen selbst viele Kulturangebote, wie zum Beispiel Festivals, vegane „Foodbanks“ und die eigene TEDxMaastricht. Zum „gezelligen“ Beisammensein laden stets die lauschigen Kneipen, Hauspartys und andere Events ein.

Ein weiteres Highlight ist jedes Jahr der RoyalsCup, der von Studenten der School of Business and Economics veranstaltet wird und Business Schools aus ganz Europa ein Wochenende lang in verschiedenen Sportdisziplinen antreten und zu späterer Stunde die ganze Stadt in Aufruhe versetzen.

Ab 250 Euro findet man eine Unterkunft „außerhalb“ (= 7 Fahrradminuten zur Uni), ab 400 Euro kann man direkt am Rathaus wohnen. Der Wohnraum in der Studentenstadt ist begrenzt, daher lohnt sich eine rechtzeitige Suche. Die unieigene Agentur Maastrichthousing, bietet für 35 Euro jährlich eine Auswahl an Optionen an, den Rest versorgen Studentenwohnheime und die entsprechenden Facebook-Gruppen. Mit den Wohnkosten variieren die Lebenshaltungskosten zwischen circa 450 Euro bis 800 Euro.

Hinzu kommen Studiengebühren von ungefähr 1900 Euro im Jahr. Diese spiegeln sich unter anderem in der Ausstattung der Hochschulen und der persönlichen Lernerfahrung wider: auf einen akademischen Angestellten kommen im Schnitt nur 9 Studierende. Glücklicherweise gelten Auslands-BAföG und die üblichen deutschen Stipendien auch für Studierende in Maastricht.

In Sachen Nebenjobs findest du in der Gastronomie relativ leicht eine Anstellung – sofern du Niederländisch sprichst. Hierfür bieten sich zum Beispiel die kostenlosen Sprachkurse der Uni für Erstis an. Für einen Job an der Universität selbst oder beim Mercedes Benz Callcenter ist „Niederlands“ meist nicht erforderlich.

Von Deutschland nach Maastricht ist der Weg nicht weit: Inzwischen gibt es auch eine Fernbusstation und die Buslinie 350 fährt circa alle 20 Minuten nach Aachen. Das Hauptverkehrsmittel innerhalb der Stadt ist natürlich das klassische Hollandrad.

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