Studieren in Südtirol
Studieren in Südtirol heißt Interkulturalität hautnah erleben | Foto: Thinkstock/littlewormy
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06. Jan 2016

UNIcheck

Dreisprachig studieren in Südtirol

Deutsch, Englisch und Italienisch in allen Studiengängen

In drei Sprachen studieren

Südtirol ist vor allem als Urlaubort bekannt: Wandern, Mountainbike fahren, klettern und im Winter mit Skiern und Snowboard auf die Piste gehen. Aber auch Studenten zieht es nach Südtirol an die Freie Universität Bozen. "Die Dreisprachigkeit der Studiengänge ist dort einfach sehr interessant und da ich im Alpenraum bleiben wollte, passte das gut", erzählt Benjamin (25), Master-Student in Bozen. "Außerdem gibt es in der Mensa einen italienischen Pizzaofen, in dem immer frisch gebacken wird und das ist natürlich für eine Uni schon etwas Besonderes."

Benjamin kommt ursprünglich aus der Nähe von Münster. Seinen Bachelor hat er in Passau gemacht und ist dann für seinen Master in Unternehmensführung und Innovation nach Südtirol gegangen. An der Uni muss jeder Student drei Sprachen können. Deutsch, Englisch und Italienisch.

Aber keine Angst! Bei Studienbeginn reicht es aus, zwei der Sprachen zu sprechen. Benjamin hat sein Studium zum Beispiel komplett ohne Italienischkenntnisse begonnen. "Ich habe einen sechswöchigen Vorkurs an der Uni besucht und dort das Gröbste gelernt, um nicht komplett unvorbereitet ins Studium zu starten." Ein Vorkurs ist aber keine Pflicht, die dritte Sprache kann auch während des Studiums erst hinzukommen.

Der Anteil der drei Sprachen in den einzelnen Studiengängen beträgt jeweils ungefähr ein Drittel. Jede Vorlesung ist dabei an eine Sprache gebunden. Wer zu Beginn noch nicht so sicher in Deutsch, Englisch oder Italienisch ist oder eine Fremdsprache erst noch lernen muss, kann die Vorlesungen in spätere Semester schieben. "Man braucht ein gewisses Sprachniveau, um die Klausuren zu schreiben", weiß Benjamin aus Erfahrung. Deswegen müssen alle Studenten zuerst einen Sprachtest bestehen, bevor sie zu Klausuren zugelassen werden.

Vielfalt auf dem Campus

Benjamin glaubt nicht, dass für das Studium eine herausragende sprachliche Begabung erforderlich ist. "Man sollte einfach an der Sprache interessiert sein. Wenn man anfängt und sich sagt, dass man eigentlich nur wandern und Ski fahren möchte, kriegt man schon Probleme. Eine neue Sprache ist wie ein zusätzliches Fach im Studium und das ist natürlich schwierig. Wenn man will, kann man aber jeden Tag Übung haben und die neue Sprache austesten, deswegen geht das ganz gut."

15 Prozent der Studenten an der Uni Bozen kommen aus dem Ausland, acht Prozent aus Deutschland. Auf dem Campus überwiegt zwar die italienische Sprache, aber nicht deutlich. "Ich würde sagen, dass auf dem Campus in etwa 50 Prozent Italienisch, 40 Prozent Deutsch und zehn Prozent Englisch gesprochen wird", schätzt Benjamin. Wer sich in einer Sprache verbessern will, setzt sich mit denen zusammen, die diese Sprache als Muttersprache haben oder sie einfach sehr gut beherrschen.


Stadt Bozen


Fächer, Finanzierung, Wohnen

In Bozen kannst du in den Bereichen Bildungswissenschaften, Design und Künste, Naturwissenschaften und Technik, Wirtschaftswissenschaften und Informatik dreisprachig studieren. Die Studiengebühren liegen für ein akademisches Jahr bei 1.341 Euro (Stand: 2013/14). Die Gebühren müssen in zwei Raten abbezahlt werden.

Hinzu kommen dann noch die Kosten für die Unterkunft. Die meisten Studenten in Südtirol wohnen in Wohnheimen. Wer in ein Wohnheim möchte, kann direkt von Deutschland aus einen Antrag stellen. Am besten so früh wie möglich, weil die Plätze sehr begehrt sind. Du kannst dich schon bewerben, bevor du überhaupt einen Zulassungsbescheid für den Wunschstudiengang  erhalten hast. Die freien Plätze werden am Ende in chronologischer Reihenfolge vergeben.

Ein Zimmer kostet um die 260 Euro pro Monat und ist damit deutlich günstiger als ein normales WG-Zimmer. "Da muss man schon mit 400 Euro rechnen", weiß Benjamin. "Auch die Suche nach einer WG ist etwas schwieriger, aber machbar." Benjamin hat für die Zimmersuche seinen sechswöchigen Sprachkurs genutzt. "In dieser Zeit sind viele Studenten nicht in Bozen, weil Semesterferien sind. Für die kurze Zeit findet man ganz schnell ein Zimmer zur Zwischenmiete und hat dann sechs Wochen Zeit, ein passendes Zimmer oder eine geeignete Wohnung für die Studienzeit zu finden."

Studentenleben in Südtirol

Bozen ist keine große Studentenstadt, "aber vom Freizeitwert her super. Mountainbike und Skifahren oder Wandern kann man zum Beispiel und das Wetter ist immer gut. Das draußen sein bestimmt einfach das Studentenleben", findet Benjamin. "Natürlich kann man auch gut feiern gehen, aber man muss damit rechnen, dass im Club jeder jeden kennt. Unerkannt bleiben ist da schwierig." Großstadtliebhaber, die eher anonym bleiben wollen, werden es in Bozen nicht so leicht haben.

Massenstudiengänge gibt es nicht. Benjamins Studiengang besteht aus 20 Leuten. Die kleinen Kurse ermöglichen eine intensive Betreuung der Studenten durch die Professoren. Ein Punkt, den Benjamin sehr schätzt an seinem Studium. Genau wie die Dreisprachigkeit. "Das ist einfach sehr interessant, eine Herausforderung und ich sehe dadurch auch gute berufliche Perspektiven. Nach dem Studium kann ich mir auch vorstellen, in Norditalien zu bleiben, damit ich mein Italienisch weiter perfektionieren kann und weil es mir einfach super gefällt."


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