Greenbanking
Green Banking: Wirtschaften für eine bessere Welt | Foto: Thinkstock/g-stockstudio
Autor

15. Feb 2016

André Gärisch

Green Banking: BWL mit gutem Gewissen studieren

Nicht das Geld, der Mensch steht im Mittelpunkt

Feiner Anzug, glänzende Lackschuhe und stylischer Aktenkoffer auf der einen Seite, Bio-Tragetasche, "Das Kapital" von Marx und der Mitgliedschaftsausweis von Peta auf der anderen. Die beiden Bereiche Banking und Ethik scheinen auf den ersten Blick nichts gemein zu haben. Doch neue interessante Studiengänge beweisen, dass die Verknüpfung von Ökonomie und Nachhaltigkeit eine schlagkräftige Lösung für eine bessere Welt darstellen kann.

"Social Business", "Philosophie, Politik und Ökonomie", "Ethics – Economics, Law & Politics": Das sind nur drei der neuartigen Studienangebote, die eine Verbindung zwischen Management und Ethik herstellen. Studiert werden können sie in Vechta, Witten und Bochum. Sie stehen stellvertretend für einen aufkommenden Trend in der Finanzbranche, nicht das Monetäre, sondern den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. So werden Social Banks, wie die GLS Bank, die Umweltbank oder die Ethikbank, laut einer Studie der Roland Berger Group schon bald aus dem Schatten der Großbanken herausrücken.

BWL trifft Ethik und Philosophie

Prof. Dr. Gregor Krämer"Faire Banken" lehnen zweifelhafte Investitionen, etwa im Waffen- oder Rüstungsbereich, genauso wie Spekulationen mit Nahrungsmitteln ab. Heikle Finanzprodukte, Lobbyarbeit und horrende Gehälter sind für sie ein Tabu. Jona Stinner, der an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter BWL studiert, gefällt das: "Ich betrachte das nachhaltige Wirtschaften angesichts von Entwicklungen wie dem Klimawandel und einer global dimensionierten sozialen Ungerechtigkeit als überzeugendes und zukunftsfähiges Handeln."

An eben jener Hochschule unterrichtet Prof. Dr. Gregor Krämer Fächer wie Social Banking oder Social Finance. In seinen Forschungsarbeiten befasst er sich mit spannenden Themen wie Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung. Zum BWL-Studium der etwas anderen Art sagt er: "Wir legen viel Wert darauf, dass in unseren Vorlesungen auch ethische Fragestellungen behandelt werden und die Studierenden einen mehrdimensionalen Blick auf bestimmte Themen erhalten. Unsere Studierenden belegen beispielsweise Kunst-Seminare und widmen sich philosophischen Fragestellungen."

Studienangebot ist vom Markt abhängig

Die kleinen Arbeitsgruppen seien insbesondere für Leute, die vorher an Massenuniversitäten eingeschrieben waren, eine positive Überraschung. Praxisphasen werden bei Unternehmen absolviert, die eine nachhaltige Vision propagieren, beispielsweise dm, Alnatura, GLS oder Weleda.

Laut Krämer sei der Schritt in die Selbständigkeit für Absolventen eine gern gewählte Option: "meinespielzeugkiste.de ist ein Projekt aus Berlin, ein Online-Spielzeugverleih, der von einem unserer Studenten ins Leben gerufen wurde. Andere Beispiele sind eine spezielle App für Menschen mit Handicap oder der Vertrieb von 'fairen' T-Shirts."

Die Zukunft von alternativen Wirtschafts-Studiengängen macht Krämer vom Markt abhängig: "Nach wie vor handelt es sich bei unserem Angebot um ein Nischenphänomen. Sollten zukünftig auch klassische Unternehmen vermehrt den nachhaltigen, sozialen Aspekt in ihre Unternehmensstrategie integrieren, so könnten auch mehr Studienangebote dieser Art entstehen."


Drei Fragen an ... BWL-Student Jona Stinner (22)

UNICUM: Warum hast du dich für einen Studiengang mit nachhaltiger Ausrichtung entschieden?
Jona StinnerJona Stinner: Bereits während meiner Schulzeit habe ich mich mit dem Wirtschaften aus einer sozial-ökologischen Perspektive beschäftigt und unter anderem ein Praktikum bei einer nachhaltig agierenden Bank absolviert. Meine Erfahrungen dort haben mich in meiner Ambition bekräftigt, durch meine spätere Arbeit einen Beitrag für Umwelt und Gesellschaft zu leisten und mein Interesse an finanztechnischen Fragestellungen weiterzuverfolgen.

Welche Aspekte verbindest du mit nachhaltigem Wirtschaften bzw. nachhaltigem Banking?
Nachhaltiges Wirtschaften bzw. Banking verbinde ich mit dem Aspekt des ganzheitlichen Denkens, das neben wirtschaftlichem Erfolg auch die Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft berücksichtigt. Jede unternehmerische Entscheidung wird so neben ihrem wirtschaftlichen Nutzen auch auf gesellschaftliche oder ökologische Auswirkungen abgewogen.

Welche beruflichen Ziele verfolgst du? Soll Nachhaltigkeit dabei weiterhin eine große Rolle spielen?
Grundsätzlich interessiere ich mich für viele unternehmerische Themengebiete, sodass mir die Festlegung etwas schwer fällt. Gerade fasziniert mich besonders das Gebiet Entrepreneurship, in dem ich mich mit einer geplanten Unternehmensgründung aktiv befasse. Ein Bereich, der durch den zunehmenden Trend nach ökologischer und sozialer Verantwortung prädestiniert ist für nachhaltige Innovationen.

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