Ergotherapie studieren
Als Ergotherapeut/in hilfst du Patienten aller Altersgruppen Foto: GettyImages/KatarzynaBialasiewicz

16.08.2016

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09. Nov 2018

UNICHECK

Ergotherapie studieren

Hilfe für das alltägliche Handeln

Der Deutsche Verband der Ergotherapeuten (DVE) versteht unter Ergotherapie folgendes: „Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen jedes Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind. Ziel ist es, sie bei der Durchführung für sie bedeutungsvoller Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer persönlichen Umwelt zu stärken. Hierbei dienen spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung dazu, dem Menschen Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung seiner Lebensqualität zu ermöglichen“. 

Die Ergotherapie war lange Zeit, genau wie die Physiotherapie, mit der sie eng verwandt ist, ein reiner Ausbildungsberuf. Seit einigen Jahren werden anspruchsvolle medizinische Ausbildungsberufe aber akademisiert. Diesem Trend folgend, bieten mittlerweile auch zahlreiche Hochschulen den Studiengang Ergotherapie an. Das Fach verbindet Elemente aus den Bereichen Medizin, Biologie, Sozialwissenschaften und Gesundheitsökonomik. Wer sich für eine akademische Ausbildung entscheidet, sollte nicht nur seine soziale Ader ausleben wollen, sondern auch Interesse am theoretischen Arbeiten mitbringen.

An vielen Hochschulen ist der Studiengang ganzheitlich ausgerichtet, das heißt, es werden neben wichtigem Fachwissen über die Funktionsweise des menschlichen Körpers auch die Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten sowie die soziologischen und wirtschaftlichen Aspekte der Krankenbehandlung vermittelt. Dabei kannst du dich entweder auf die Ergotherapie konzentrieren oder parallel verwandte Fächer wie Physiotherapie oder Logopädie studieren. Die Wahl der des Studiengangs hat auch Auswirkung auf Deine späteren beruflichen Möglichkeiten. Du solltest dir deshalb bereits vor Beginn des Studiums überlegen, ob du später fest angestellt in einem Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung arbeiten oder dich vielleicht lieber selbständig machen möchtest. 

Inhalt des Studiums 

Wenn du Ergotherapie studieren willst, wirst du an fast allen Hochschulen mit folgenden Fächern konfrontiert: 

  • Humanmedizinische Grundlagen, insbesondere in der Anatomie/Physiologie 
  • Ergotherapeutische Interventionen 
  • Ergotherapeutische Methoden in der Neurologie 
  • Neuroanatomie, Neurophysiologie und Neuropathoanatomie 
  • Grundlagen der Soziologie und der Psychologie 
  • Gesundheitstraining und Gesundheitsberatung 
  • Kommunikation für Healthcare Professionals 
  • Gesundheitsökonomie und Management im Healthcare Bereich 

Der Schwerpunkt des Studiums dreht sich also um die Funktionsweise des menschlichen Körpers. Dabei spielt insbesondere der Aufbau des Skeletts sowie das Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln eine große Rolle, da Patienten, die eine Ergotherapie benötigen, in aller Regel in diesen Bereichen Defizite aufweisen. Darüber hinaus werden Kenntnisse in Psychologie und Soziologie vermittelt, da der seelische Zustand und die sozialen Rahmenbedingungen, unter denen die Patienten leben, den Therapieerfolg oft wesentlich beeinflussen. Zusätzlich lernst du auch, welche betriebswirtschaftlichen Aspekte beim Management einer Gesundheitseinrichtung von Bedeutung sind, da dich eine akademische Ausbildung nicht nur auf eine Tätigkeit als Ergotherapeut/in, sondern auch auf die Übernahme von Führungsaufgaben im Gesundheitssektor vorbereitet. 

Welche Vorkenntnisse brauchst du? 

Es gibt sowohl Studiengänge, die auf einer einschlägigen Ausbildung aufbauen, als auch Studienangebote, die sich an (Fach-) Abiturienten richten und keine spezifischen Vorkenntnisse verlangen. Einige Fachhochschulen verlangen aber den Nachweis von Praktika, die vor Studienbeginn abgeleistet werden müssen. Es ist deshalb wichtig, dass du dich wenigstens ein Semester im Voraus bei der Hochschule deiner Wahl über die konkreten Zulassungsbedingungen informierst. 

Auch wenn du Ergotherapie studieren kannst, ohne schon Fachkenntnisse mitzubringen, solltest du aber einige persönliche Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehört, dass du eine soziale Ader hast und anderen Menschen gerne hilfst. Außerdem sind Geduld und Einfühlungsvermögen erforderlich, da viele deiner Patienten später sehr alt oder geistig und körperlich behindert sein werden. Der Umgang mit alten, dementen oder behinderten Menschen darf dich also nicht belasten. 

Studienverlauf und Zulassungsverfahren

Ergotherapie wird als konsekutives Studienfach angeboten. Das heißt, dass du zunächst ein in der Regel sechs Semester dauerndes Bachelor-Studium absolvierst. Das ist dann auch bereits ein berufsqualifizierender Abschluss. Wenn du allerdings eine Führungsposition im Healthcare Sektor anstrebst, solltest du von der Möglichkeit Gebrauch machen, einen darauf aufbauenden Masterabschluss zu erreichen. Das Masterstudium dauert im Schnitt vier Semester und kann auch (teilweise) im Ausland absolviert werden. Verbindlich vorgeschrieben sind Auslandsaufenthalte für eine Studium der Ergotherapie aber nicht. 

Anders als für Medizin gibt es für Ergotherapie kein bundeseinheitliches zentrales Zulassungsverfahren. Das heißt, du bewirbst dich direkt an der Hochschule, an der du gerne studieren möchtest. Die Hochschulen in den attraktiven Metropolen wie Berlin, München oder Köln haben in der Regel mehr Bewerberinnen und Bewerber als Studienplätze. Dort gibt es fast immer einen lokalen Numerus Clausus, manchmal wird zusätzlich auch noch ein spezielles Auswahlverfahren durchgeführt.

Wenn du Ergotherapie studieren willst, solltest du dich am besten sechs Monate im Voraus bei den für dich in Frage kommenden Hochschulen nach den örtlichen Zulassungsvoraussetzungen erkundigen. Falls der NC an deiner Wunschhochschule zu streng für dich ist, dann schreib dich im ersten Semester einfach an einer anderen Hochschule ein. Danach giltst du dann als „höheres Fachsemester“ und hast meist keine Probleme mehr, an deine Wunschhochschule zu wechseln, sofern sich diese nicht gerade in den genannten Metropolen befindet. 

Ergotheraphie studieren in Deutschland

Da Ergotherapie ein anwendungsorientiertes Fach ist, wird das Studium fast ausschließlich an Fachhochschulen angeboten. Dabei kannst du entweder ganz klassisch studieren oder ein sogenanntes duales Studium absolvieren. Das duale Studium ähnelt einer Ausbildung. Du hast einen Arbeitsplatz und beziehst ein kleines Gehalt, während des Studiums wechseln sich praktische Ausbildungsabschnitte im Betrieb mit theoretischen Abschnitten an der Hochschule ab.

Einen dualen Bachelor-Studiengang in Ergotherapie bieten beispielsweise die hsg - Hochschule für Gesundheit in Bochum und die Hochschule Trier an sowie die Fachhochschule Münster im Rahmen des Studiengangs Therapie- und Gesundheitsmanagements. Ein klassisches Studienangebot findest du an der Hochschule Osnabrück, wo du Ergotherapie auch sehr gut mit Physiotherapie oder Logopädie verbinden kannst. Das gilt auch an der HAWK - Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim.

Wenn du während des Studiums arbeiten musst, um deinen Lebensunterhalt und die akademische Ausbildung zu finanzieren, dann bist du bei der EU|FH - Europäische Fachhochschule (Brühl, Rostock) an der richtigen Adresse. Diese Fachhochschule ermöglicht dir auch ein berufsbegleitendes Bachelor-Studium. Wenn du Wert auf eine anspruchsvolle theoretische Ausbildung legst oder später promovieren möchtest, dann führt an der MHH - Medizinische Hochschule Hannover kein Weg vorbei. Dieses Bildungsinstitut ist bisher die einzige deutsche Universität, die ein Ergotherapie-Studium im Programm hat. 

Berufsaussichten nach dem Studium

Die Berufsaussichten für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten sind nicht zuletzt wegen der Überalterung der deutschen Bevölkerung hervorragend. Nach Abschluss deines Studiums kannst du entweder in einer staatlichen oder privaten Gesundheitseinrichtung arbeiten. Nahezu alle größeren Krankenhäuser beschäftigen Ergotherapeuten. Besonders gefragt ist der Beruf auch in Fachkliniken, insbesondere solchen, die sich auf die operative Behandlung des Rückens und des Gehapparats spezialisiert haben. Das gleiche gilt für Sportkliniken oder für Kurkliniken, die sich auf die Nachsorge für Schlaganfall-Patienten fokussieren.

Deine Einstellungschancen im Klinikbereich sind besonders gut, wenn du auch vertiefte Kenntnisse in der Physiotherapie mitbringst, da physio- und ergotherapeutische Maßnahmen hier oft Hand in Hand gehen. Bei der Betreuung von Menschen mit Behinderungen und Senioren spielt dagegen die Erhaltung oder (Wieder-) Erlangung der Fähigkeit zur Selbstversorgung im Alltag und damit die klassische Ergotherapie eine wichtige Rolle. Sobald du ausreichend Berufserfahrung gesammelt hast, kannst du dich auch als selbständige/r Ergotherapeut/in niederlassen. Wenn du das planst, solltest du bereits zu Beginn des Studiums abklären, welche Zulassungsvoraussetzungen die staatlichen Krankenkassen verlangen, da du in den meisten Gegenden nicht alleine von Privatpatienten leben kannst.

Neben einer Tätigkeit als Therapeut/in steht dir mit einem Master-Abschluss aber auch eine Karriere im Management einer Gesundheitseinrichtung offen. Das gilt insbesondere dann, wenn du nach einem Bachelor in Ergotherapie während des Master-Studiums den Schwerpunkt auf Fächer wie Gesundheitsmanagement oder Gesundheitsökonomie legst.

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