Medizin Studium
Lassen Sie mich durch ... ich will Medizin studieren | Foto: Thinkstock/Dmitrii Kotin

16.08.2016

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06. Jan 2016

UNIcheck

Medizin studieren

Von der Wissenschaft in die Praxis

Medizin studieren

Beschreibung und Inhalte

Inhalt und Ablauf des Medizin-Studiums sind bundesweit einheitlich in der sogenannten Approbationsordnung geregelt. Es ist somit genau festgelegt, welche Seminare und Kurse die Studenten in welchem Semester belegen müssen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Studienfächern ist es im Medizin-Studium somit nicht möglich, Kurse und Veranstaltungen vorzuziehen.

Das Medizin-Studium ist in zwei Abschnitte geteilt: die Vorklinik und die klinische Ausbildung. Die drei großen Fächer der Vorklinik sind:

  • Anatomie (Inhalte: zum Beispiel Aufbau des Körpers, Aufbau des Nervensystems)
  • Physiologie (Inhalte: zum Beispiel Funktionen des Körpers, z.B. Verdauung, Atmung)
  • Biochemie (Inhalte: zum Beispiel Stoffwechsel, Zellen, Organellen)

In der Vorklinik ist ein dreimonatiges Pflegepraktikum im Krankenhaus vorgeschrieben. Dieses müssen die Studenten bis zum Ende des Grundstudiums abgeleistet haben. Es empfiehlt sich, das Praktikum - falls es zeitlich möglich ist - vor Studienbeginn zu absolvieren, da man im Studium die dadurch gewonnene Zeit zum Lernen verwenden kann. Die Studenten sollen im Praktikum die tägliche Pflegearbeit in einer Klinik kennenlernen. Das Praktikum erfolgt - abgesehen von einigen Ausnahmen (Privatkliniken) - in den meisten Fällen ohne Entgelt.

Am Ende der vorklinischen Ausbildung steht dann das erste Staatsexamen, das Physikum. Dieses ist bundeseinheitlich geregelt und wird von den Prüfungsämtern Jahr für Jahr neu konzipiert. Die Studenten schreiben die Prüfungen zur selben Zeit an zwei Tagen und müssen dabei etwa 600 Multiple-Choice-Fragen beantworten. Dabei ist der komplette Lernstoff der ersten beiden Jahre prüfungsrelevant.

Nach dem Physikum beginnt der klinische Studienabschnitt (Hauptstudium). Blockpraktika in Unikliniken und Lehrkrankenhäusern stehen an, die dich auf den ärztlichen Alltag vorbereiten und dir einen Einblick in die medizinische Arbeitsweise geben. An der Theorie kommen die Studenten aber auch im Hauptstudium nicht vorbei. Die Medizinstudenten lernen die verschiedenen medizinischen Bereiche bzw. Disziplinen kennen: von der Allgemeinmedizin über die Neurologie bis hin zur Urologie. Dazu kommen fächerübergreifende Inhalte wie medizinische Informatik oder Gesundheitsökonomie.

Die Studenten müssen in dieser Phase insgesamt vier Monate Praktikum ableisten, Famulatur genannt. Sie machen das Praktikum teils in der Praxis, teils im Krankenhaus. Hier können sie sich selbst ausprobieren und lernen die medizinischen Basics, zum Beispiel wie man eine Nadel legt, Blut abnimmt oder auch eine Wunde näht.

Im letzten Teil des Medizin-Studiums findet das Praktische Jahr (PJ) statt. In diesem Jahr arbeiten die Studenten im Krankenhaus und sammeln weitere Praxiserfahrung – zumeist unentgeltlich. Vorgeschrieben sind je 16 Wochen in der Inneren Medizin und Chirurgie, die dritte Station können die Studenten frei wählen. Nach dem PJ folgt das zweite Staatsexamen, die Studenten nennen es das "Hammerexamen", da der komplette Stoff des Studiums prüfungsrelevant ist. Die schriftliche Prüfung zieht sich über drei Tage, täglich müssen sich die Studenten in einer fünfstündigen Prüfung 320 Multiple-Choice-Fragen stellen.

Da sich mehr Studenten an den Unis bewerben, als Studienplätze zur Verfügung stehen, ist der Studiengang Medizin zulassungsbeschränkt. Die Vergabe der Studienplätze regelt die Stiftung für Hochschulzulassung (SfH). 20 Prozent der Plätze werden nach dem Abi-Schnitt vergeben, 20 Prozent nach Wartezeit und 60 Prozent gemäß des Auswahlverfahrens der Hochschulen.

Der NC ändert sich zwar von Jahr zu Jahr, Medizin bleibt aber ein Studienfach, das ein Einser-Abi voraussetzt. Wer an einer Uni in Bochum, Leipzig, Mainz oder Lübeck studieren möchte, kann am Medizinertest teilnehmen und mit einem guten Ergebnis seine Note verbessern. Zum vergangenen Sommersemester lagen die NC-Werte bei 1,0 (Berlin) bis 1,2 (Schleswig-Holstein). Wer nur über die Wartesemester an einen der begehrten Studienplätze kommt, sollte darüber nachdenken, die Zeit mit einer Ausbildung in einem medizinnahen Beruf zu überbrücken.

Vorkenntnisse

Da Mathematik, Physik und Biologie zentrale Inhalte im Grundstudium sind, solltest du Interesse an diesen Fächern sowie ein naturwissenschaftliches Grundverständnis besitzen. Als Medizin-Student wirst du vieles lernen, mit dem du dich später nie wieder beschäftigen musst. Aufgrund der Menge an Prüfungsstoff ist es zudem von Vorteil, wenn du leicht auswendig lernen kannst. Angehende Mediziner sollten Lernen und das Beschäftigen mit neuen Inhalten nicht als Qual empfinden, denn: Nach der Vorlesung muss das gerade Gelernte vertieft und oft nochmals nachgearbeitet werden.

Studiengang Medizin

32 Universitäten bieten bundesweit ein Medizin-Studium an. In den meisten Fällen kann das Studium dort nur zum Wintersemester aufgenommen werden, nur wenige Unis bieten die Möglichkeit, auch zum Sommersemester zu beginnen. Dazu zählen zum Beispiel die Uni Gießen, die Universität zu Köln sowie die Uni Würzburg.

  • Eine Übersicht über alle Unis, die Medizin anbieten, gibt es unter www.nc-werte.info

Das Medizin-Studium schließt an jeder Universität traditionell mit dem Staatsexamen ab. Es gibt aber durchaus Überlegungen, auch das Medizin-Studium nach Bachelor und Master zu stufen. Die meisten Fachvertreter lehnen diesen Vorschlag aber ab.

Zahlen und Fakten

Vor allem Frauen reizt das Medizin-Studium. Der Anteil an weiblichen Studenten liegt seit Jahren deutlich über dem Männeranteil. Über 53.352 weibliche Studenten sind bundesweit im Wintersemester 2014/15 in Medizin eingeschrieben, das sind knapp über 4,1 Prozent aller Studentinnen. Im Gegensatz dazu liegt die Zahl männlicher Medizinstudenten mit 34.511 deutlich unter dem Wert der Frauen. Dennoch gehört das Medizin-Studium sowohl für Frauen als auch für Männer zu den jeweils zehn beliebtesten Studiengängen. Das CHE-Hochschulranking empfiehlt zukünftigen Medizinstudenten die Uni Heidelberg für ein Medizin-Studium als beste Hochschule.

Berufsaussichten für Medizin-Absolventen

Nach dem Studium und der Ausbildung zum Facharzt fällt vielen der Einstieg in den Beruf schwer, vor allem was den klassischen Einstieg in einer Klinik betrifft. In einigen Kliniken sind die Strukturen sehr festgefahren und noch sehr hierarchisch. Die Arbeitsbelastung ist hoch, Wochenend- und Nachtschichten sind keine Seltenheit und auch das Gehalt fällt – abhängig von der Fachrichtung - in vielen Fällen nicht gerade üppig aus. Aber es gibt auch Fachbereiche mit exzellenten Berufsaufsichten und sehr guter Bezahlung, dazu zählen zum Beispiel die Radiologen.

In Bezug auf die Entlohnung finden sich am unteren Ende zum Beispiel die Dermatologen und Allgemeinmediziner. Die Folge: Immer mehr Jungmediziner entscheiden sich für eine Karriere in der universitären Forschung, der Gesundheitspolitik, Pharmaindustrie oder Biotechnologie und damit gegen den Beruf des praktizierenden Arztes. Auch eine Tätigkeit im Ausland kommt für viele Absolventen in Frage. Neben skandinavischen Ländern wie Schweden gelten England und die USA für junge Mediziner als sehr attraktiv.

Zwar sind die Arbeitsbedingungen hierzulande oft nicht die angenehmsten, ein schneller Berufseinstieg ist nach dem Medizin-Studium trotz allem fast sicher: Knapp 85 Prozent der Absolventen eines Jahrgangs erhalten im Durchschnitt innerhalb des ersten Jahres eine feste Stelle. Auch das durchschnittliche Einstiegsgehalt von ca. 42.000 bis 48.000 Euro kann sich sehen lassen.


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