Blick auf den Campus der Wageningen University and Research
Foto: Wageningen University and Research
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27. Jul 2017

Annika Kloos

Studieren in Wageningen (NL)

Ein Studium bei den Nachbarn

Wo zur Hölle ist Wageningen?

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Du noch nie von der niederländischen Kleinstadt mit dem rauen Namen (das erste g im Namen wird wie das ch in kochen ausgesprochen) gehört hast, da die Stadt zum einen recht klein ist und zum anderen prominente Nachbarn hat. Wageningen liegt in dem Dreieck zwischen Nimwegen, Arnheim und Utrecht, etwa fünfzig Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Allerdings ist die Stadt zu Unrecht unbekannt: Im Mai 1945 wurde hier das Kapitulationsabkommen von den Deutschen unterzeichnet. Und heute? Heute ist Wageningen durch die Universität weit über die europäischen Grenzen bei Fachleuten in den Bereichen Lebensmittel, Landwirtschaft und Ernährung bekannt. 

Der gemütliche Stadtkern bietet viele Möglichkeiten um am Nachmittag einen Kaffee auf dem Marktplatz zu genießen und das bunte Treiben auf dem Wochenmarkt zu beobachten oder um am Abend ein Bier in einer der vielen Bars zu trinken. Außerdem bereichern zwei Kinos sowie zahlreiche Live-Musik und Kultur-Events das Abendprogramm. Das Angebot in der Kleinstadt mit unter 40.000 Einwohnern ist deutlich geprägt von den zahlreichen Studenten und Universitäts-Mitarbeitern. 

In der näheren Umgebung lockt das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet der Niederlande und bietet eine atemberaubende Landschaft für ausgiebige Fahrradtouren und Wanderungen. Doch auch bei schlechtem Wetter findet man hier Beschäftigung: Im Nationalpark Hoge Veluwe befindet sich das Kröller-Müller Museum, das die zweitgrößte Sammlung an Werken von Vincent Van Gogh beherbergt. 

Hochschulen in Wageningen

Die Wageningen University and Research ist eine klassische Campus-Uni. Alle Uni-Gebäude, sowie Versuchsflächen und der landwirtschaftliche Betrieb der Uni befinden sich auf dem Campus. Einige Studentenwohnheime sind ebenso auf dem Campus zu finden wie ein kleiner Supermarkt, Döner- und Asia-Läden und diverse Mensen. 

Der Fokus der Hochschule liegt bei den Naturwissenschaften und die Uni ist bekannt für ihre Forschung und Lehre in den Bereichen Ernährung und Landwirtschaft. Aufgrund dieser speziellen Ausrichtung, verfügt die Uni über exzellente Kontakte zu Unternehmen wie Friesland Campina und Unilever. Friesland Campina hat eine Niederlassung auf dem Campus und kooperiert eng mit der Uni. 

Die engen Verbindungen zu Unternehmen kommen Studierenden bei der Suche nach Praktika und Forschungskooperationen zugute. Zudem bieten guest lectures  und case studies von Unternehmen reale Einblicke und praktische Erfahrungen auch im Rahmen des regulären Unterrichts. 

Es wird versucht den Studierenden das Studieren so einfach wie möglich zu machen, so dass sie sich bis auf wenige organisatorische Angelegenheiten ganz auf das Lernen konzentrieren können. Die Ausstattung der Uni ist auch auf dem neusten Stand. Zwei weitere Gründe bei den Nachbarn zu studieren: An Universitäten sind die meisten Bachelor-Studiengänge und alle Master-Studiengänge auf Englisch und der Kontakt zu Professoren ist dank der kleinen Gruppengrößen unkompliziert und persönlich.

Noch ein Wort über den Aufbau des Studiums: Ein Semester ist in drei so genannte Periods eingeteilt, die jeweils acht bzw. vier Wochen lang sind. In den langen Periods werden zwei Kurse belegt und nach sechs Wochen mit Vorlesungen, Übungen und Seminaren gibt es eine freie Woche zur Vorbereitung auf die Klausuren, die in der achten Woche geschrieben werden. In der kurzen Period wird nur ein Kurs belegt und am Ende der vierten Woche geprüft. 

Neben der Wageningen University and Research gibt es auch noch die AERES Hochschule, eine auf Nachhaltigkeit spezialisierte Fachhochschule und berufsbegleitende Hochschule, die allerdings auf Niederländisch lehrt.

Das Leben in der Kleinstadt Wageningen

Anders als in Deutschland, haben die niederländischen Studentenverbindungen ein Image als Party-Verbindungen, die vor allem für niederländische Studierende das soziale Leben strukturieren. Jeden Donnerstag veranstaltet eine andere Verbindung eine Party, zu der auch Nicht-Mitglieder eingeladen sind. Als Kleinstadt hat Wageningen neben den Partys bei oder von Verbindungen keine Clubs oder ähnliches, aber dafür eine Fülle an Bars zu bieten.

Hier wird außerdem unterschieden zwischen study association, die der deutschen Fachschaft entspricht, und der student association, worunter eher eine Verbindung zu verstehen ist. 

Für Sportbegeisterte haben niederländische Unis generell und besonders die Uni Wageningen ein hervorragendes Sportprogramm in petto: Von klassischen Mannschaftssportarten wie Fußball und Basketball über exotischeres wie Lacrosse, Kursen wie Yoga und Spinning, Kraftsport, Laufgruppen und Schwimmen, gibt es alles, was das Sportlerherz begehrt. Auf dem Campus befindet sich auch ein Schwimmbad, in das Studenten mit Sport-Abo kostenlos Zutritt haben. 

Da Wageningen eine verhältnismäßig kleine Stadt ist, wohnt der Großteil der Studenten in verschiedenen Studentenwohnheimen auf dem Campus, am Stadtrand oder im Nachbarort. Das Angebot ist groß: Es gibt Zimmer mit gemeinsam genutztem Bad und Küche, kleinere Wohngemeinschaftseinheiten sowie Ein-Zimmer-Apartments, sodass für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei ist.

Die Wohnungssuche in Wageningen sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Der stetig wachsende Zahl an Studierenden steht eine mehr oder weniger konstante Anzahl an Wohnungen gegenüber. Je nach Unterkunft kann man mit einer Miete von 250€ bis 400€ rechnen. 

Alle, die bereit sind ein wenig mehr Aufwand und Geld (die Studiengebühren betragen in den Niederlanden rund 2000€ pro Jahr) in ihr Studium zu stecken, sich eine besondere Betreuung und gute Ausstattung sowie einen kleinen Tapetenwechsel wünschen, aber nicht das große Abenteuer suchen, kann ich nur wärmstens ans Herz legen die Deutsch-Niederländische Grenze für ihr Studium zu überqueren.

Annika Kloos studiert an der Wageningen University and Research Management, Economics and Consumer Studies (MME) und schreibt für die studieren weltweit Kampagne des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD).

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