Geschichte studieren
Geschichte im Studium – das ist Lernen aus der Vergangenheit | Foto: Thinkstock/Vladislav Gurfinkel

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06. Jan 2016

UNIcheck

Geschichte studieren

Vom Altertum bis zur Neuzeit

Das Geschichtsstudium im Check

Beschreibung und Inhalte

Schon in der Schule sollte es im Geschichtskurs nicht darum gegangen sein, was zu welchem Zeitpunkt auf der Welt passiert ist. Genauso wenig geht es im Geschichtsstudium darum, nur Fakten und historische Daten auswendig zu lernen und dann aufsagen zu können. Solltest du Geschichte studieren, geht es im Studium vor allem darum, dass du lernst, Zusammenhänge zu erkennen und Ereignisse im historischen Kontext kritisch zu beurteilen.

Die Inhalte des Studiums hängen vom letztendlich gewählten Schwerpunkt ab. Zumeist unterteilen die historischen Fakultäten erst einmal ganz grob in die folgenden drei zeitlichen Epochen:

  • Alte Geschichte: Der Teilbereich "Alte Geschichte" behandelt hauptsächlich die griechische und römische Geschichte zwischen dem 2. Jahrtausend v. Chr. und dem Ende des 6. Jahrhunderts nach Chr. Diese Festlegung einer Periodisierung ist allerdings nicht unumstritten, so kann die Grenzziehung je nach Historiker unterschiedlich ausfallen. Als verbindendes Merkmal aller Abgrenzungen werden Ereignisse herangezogen, die mit dem Untergang der heidnisch-antiken Kultur und dem Aufkommen des Christentums oder der islamischen Expansion in Zusammenhang stehen. Im Fokus der "Alten Geschichte" stehen vor allem die Entwicklungen im griechisch- und lateinisch-sprachigen Mittelmeerraum sowie die Provinzen des römischen Reiches im Rhein- und Donaugebiet. Allerdings verlagerte sich das Forschungsinteresse weg von der Ereignis- und Verfassungsgeschichte hin zur Kultur-, Mentalitäts-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie der historischen Landeskunde.
     
  • Mittelalterliche Geschichte: Das Studium und die Lehre der "mittelalterlichen Geschichte" beschäftigt sich mit der Zeit zwischen dem 6. Jahrhundert n. Chr. und dem 15. Jahrhundert. Auch hier lässt sich kein genaues Jahr für das Ende des Mittelalters nennen. Als Orientierungspunkte dienen beispielsweise die Erfindung des Buchdrucks um 1450, die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus im Jahr 1492 oder die von Martin Luther im Jahr 1517 angestoßene Reformation der Kirche. Im Vordergrund steht hauptsächlich die Untersuchung politischer und wirtschaftlicher Themen, ein enger Zusammenhang mit der Kirchengeschichte lässt sich nicht von der Hand weisen. Zu Beginn des Studiums im Bereich Mittelalter geht es vor allem darum, geschichtswissenschaftliche Arbeitstechniken zu erlernen. Zuvorderst sind die Kurse in Quellenlektüre zu nennen. Dort lernst du, wie Urkunden aus dem Mittelalter zu analysieren sind. Allerdings bedarf das schon gewisser sprachlicher Kenntnisse.
     
  • Neuzeit: Die dritte zeitliche Epoche ist die "Neuzeit", welche an einigen Universitäten in die Phasen "Frühe Neuzeit" und "Neueste Geschichte und Zeitgeschichte" unterteilt wird. Die "Frühe Neuzeit" erstreckt sich in etwa bis 1800. Die zeitliche Grenzziehung begründet sich durch die politisch-industrielle "Doppelrevolution", die maßgeblich von der Amerikanischen Unabhängigkeit, der Französischen Revolution und der einsetzenden industriellen "Revolution" gekennzeichnet wird. Das Interesse der "Frühen Neuzeit" richtet sich auf den Humanismus, den Aufbruch der Wissenschaft, Technik, die europäische "Entdeckung" und Eroberung neuer Erdteile. Eine große Rolle spielen jedoch auch die Reformation, die Herausbildung staatlicher Instanzen, die einsetzende Konkurrenz zwischen den europäischen Nationen und den daraus resultierenden kriegerischen Auseinandersetzungen. Gearbeitet wird auch hier wieder mit Quellen oder deren Überlieferungen. Im Rahmen des Studiums der "Neuesten Geschichte und Zeitgeschichte" geht es neben den Folgen der politisch-industriellen Revolutionen um die großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts: den 1. und 2. Weltkrieg und deren Folgen. Aufgrund des Eingreifens der USA in den 1. Weltkrieg im Jahr 1917 entwickelt sich die europäische Geschichte immer mehr zur (trans-)atlantischen Weltgeschichte. Zusätzlich zur ohnehin stets relevanten Quellenarbeit rückte seit den 1960er Jahren die "Oral History", die Befragung von Zeitzeugen, verstärkt in den Vordergrund. Der technische Fortschritt brachte sowohl für den Historiker als auch den Geschichtsstudenten neue Quellenformen mit sich. Zu nennen sind vor allem Film- und Tonaufnahmen. Im Studium wird der kritische Umgang mit diesen Quellenarten vermittelt.

Vorkenntnisse

Die Vorkenntnisse aus der Schulzeit sind in der Regel ausreichend, um am Anfang des Studiums mitreden zu können. Natürlich profitierst du davon, wenn du bereits über Epochenwissen verfügst und nicht bei Null anfangen musst. Häufig werden zu den Seminaren jedoch thematisch abgestimmte Vorlesungen angeboten, die dir Überblickswissen vermitteln. Hilfreich ist es ebenfalls, sich mit Hilfe der Lektüre vor Semesterbeginn einzuarbeiten. Häufig geben die Professoren Literaturtipps zu ihren Kursen. Möchtest du Geschichte studieren, musst du bereit dazu sein, eine Menge zu lesen. Dabei darfst du die Komplexität von Fachliteratur nicht unterschätzen. Allerdings wird zu Beginn des Studiums auch vermittelt, wie du mit Fachliteratur und Quellen arbeiten musst.

Je nach Studiengang musst du Fremdsprachenkenntnisse vorweisen, um das Fach Geschichte studieren zu können. Wer sich zum Beispiel für Neuere Geschichte interessiert, wird um Französisch- und Latein-Kenntnisse nicht herumkommen, da viele Quellen des 17. und 18. Jahrhunderts in einer der beiden Sprachen vorliegen. Daher fordern die meisten Unis für den Bachelor den Nachweis von mindestens drei Jahren Englischunterricht in der Schule und häufig auch einer weiteren modernen Fremdsprache. Wenn das Latinum vorausgesetzt wird, du dieses jedoch nicht besitzt, besteht die Möglichkeit, dieses in Uni-Kursen nachzuholen. In jedem Fall solltest du dich rechtzeitig informieren, welche Uni welche Sprachkenntnisse voraussetzt.

Geschichte studieren an deutschen Hochschulen

Der Großteil der deutschen Universitäten bietet Geschichte als 2-Fach Bachelor und verschiedene Mastervarianten an. Der Bachelor-Studiengang ist zumeist so ausgelegt, dass er sowohl berufsqualifizierend ist als auch das weiterführende fachwissenschaftliche Master-Studium ermöglicht. Um nach dem Studium Lehrer zu werden, kann man an einigen Universitäten den Master of Education belegen. An anderen Unis wiederum muss man sich für einen "klassischen" Lehramtsstudiengang einschreiben. 

Geschichte gehört nicht zu den Fächern mit den schärfsten NC-Hürden. Ein Einser-Abi brauchst du in der Tat selten, manchmal ist der Studiengang auch zulassungsfrei. Natürlich variiert das aber auch stark je nach Hochschule und Andrang. Die Studiendauer ist beim Bachelor auf sechs Semester festgesetzt, für den Master sind weitere vier Semester vorgesehen. Die meisten Universitäten bieten das Geschichtsstudium jeweils zum Beginn des Wintersemesters an.

Zahlen

Laut der Erhebungen des statistischen Bundesamtes studierten im Wintersemester 2014/15 24.185 Männer und 19.936 Frauen in Deutschland das Fach Geschichte. Bei keinem der beiden Geschlechter schaffte es das Fach unter die Top Ten der beliebtesten Studiengänge.

Berufsaussichten von Geschichte-Absolventen

Der Großteil der Geschichtsstudenten geht in die Lehre. Mit einem Geschichtsstudium kannst du aber auch eine wissenschaftliche Laufbahn an der Hochschule anstreben oder bei Forschungsinstituten Arbeit finden.

Studierst du Geschichte auf Lehramt, solltest du dir das zweite (oder dritte) Fach gut überlegen. Mit einer Kombination wie Germanistik/Geschichte wirst du es schwerer haben, eine Anstellung zu finden, da es genügend Bewerber mit diesen Kombinationen und weniger Nachfrage in den Fächern gibt. Eine Kombination mit gefragten Fächern wie Latein ist also klug.

Absolventen des Studiengangs Geschichte kommen in vielen beruflichen Bereichen unter. Typische Stellen sind etwa Museen, Archive oder in Bereichen wie Denkmalschutz bei der Stadt. Viele Historiker arbeiten später branchenübergreifend, bringen ihr Wissen also in anderen Bereichen an den Mann. Dazu zählen vor allem Jobs im Bereich Medien oder Kultur. Allerdings musst du dir im Klaren sein, dass in diesen Bereichen die Konkurrenz mit Absolventen anderer Studiengänge groß ist.


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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 27. Jun 2016 um 19:24 Uhr von A. Meier
Es sollte bei den Berufsaussichten bitte dringend erwähnt werden, dass eine Karriere in der Forschung oder dem Archivwesen für reine Historiker aktuell kaum erreichbar ist. Gerade im Archiv/Bibiotheksbereich zieht der öffentliche Dienst schon seit geraumer Zeit Diplom Archivare und Bibiothekare bzw FH Absolventen der jeweiligen Laufbahnsausbildungen im öffentlichen Dienst vor. Mit einem Bachelor oder Master in Geschichte ist ein Quereinstieg heute für sicherlich 95% aller Absolventen kaum noch eine realistische Option!