Soziale Arbeit studieren
Soziale Arbeit zu studieren, setzt persönliche Stärken voraus | Foto: Thinkstock/Giorgio Magini

16.08.2016

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06. Jan 2016

UNIcheck

Soziale Arbeit

Ein Studium, viele Berufe

Was ist Soziale Arbeit?

Der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. (DBSH) definiert den Auftrag des Berufs Soziale Arbeit wie folgt: "Sie handelt auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und entsprechend begründbaren Methoden. Sie hilft Menschen, eine befriedigende Teilhabe am Leben zu erreichen. Sie unterstützt die Gesellschaft in ihrer sozialen und demokratischen Verpflichtung. Die Profession Soziale Arbeit hilft Einzelnen, Gruppen und dem Gemeinwesen bei der Lösung von Problemen, die nicht über pflegerische, gesundheitliche und privatrechtliche Dienste zu lösen sind."

Die Arbeit mit Menschen fasziniert die Studenten laut DSHB an dem Beruf. Sie wollen anderen helfen, kreativ tätig sein und dazu beitragen, Ursachen von Armut und Ausgrenzung zu beseitigen. Das Studium Soziale Arbeit befähigt die Studenten, fremden Menschen bei Problemen zu helfen, die sie alleine nicht mehr bewältigen können. Es geht nicht darum, die Bewältigung komplett zu übernehmen, sondern bei gesellschaftlichen Problemen, sozialer Ungleichheit und Ungerechtigkeit unterstützend zur Seite zu stehen. Meistens arbeiten sie in dem Zusammenhang mit Individuen, Gruppen oder Familien, organisieren und managen die soziale Unterstützung der Zielgruppen.

Das Studium Soziale Arbeit

Der Numerus Clausus für den Studiengang Soziale Arbeit liegt durchschnittlich bei 2,0, kann aber je nach Uni besser oder schlechter ausfallen. Oft wird auch ein mehrwöchiges Vorpraktikum erwartet. Neben Erziehungswissenschaft, Soziologie und den Methoden der Sozialen Arbeit, gehören auch Sozialpolitik, Rechtswissenschaft, Verwaltungswissenschaft und Psychologie mit zum Studieninhalt.

Die ersten Semester führen in die Grundlagen der sozialen Arbeit, die Geschichte und die Entstehung ein. In den höheren Semestern wird dann ein Schwerpunkt gewählt, bei dem sich der Student bereits für das spätere Berufsleben spezialisiert. In den meisten Bundesländern wird eine Praxisphase während des Studiums verlangt. Die Studiendauer beträgt, je nach Hochschule, sechs bis sieben Semester. In Bremen, Hessen und teilweise auch in NRW ist nach dem Studium noch ein Anerkennungsjahr notwendig. In Rheinland-Pfalz ist dies bei einem sechssemestrigen Studium ebenfalls Voraussetzung. Damit du noch vor Einstieg in den Beruf feststellen kannst, ob die Arbeit mit den unterschiedlichsten sozialen Problemen anderer Menschen auch das Richtige für dich ist, sind die Praktika besonders wichtig.

Persönliche Voraussetzungen

Wer sich für Soziale Arbeit entscheidet, sollte ein sozial geprägter Mensch sein und ein positives Menschenbild besitzen. Im Beruf wirst du mit vielen Personen konfrontiert, die, bezüglich ihres Verhaltens oder ihrer Meinung, oft Extreme darstellen. Das können zum Beispiel Straftäter sein oder Jugendliche, die auf der Straße leben und keine Hilfe annehmen wollen. Trotzdem musst du immer respektvoll und tolerant mit ihnen umgehen.

Du kannst aber auch in Kindergärten, Altenheimen oder Jugendtagesstätten in der Betreuung arbeiten. Unabhängig vom Berufszweig ist Empathie eine Muss-Eigenschaft von Sozialarbeitern. Jeder hat Probleme, ob Kinder, alte Menschen oder eben Straftäter und sozial Ausgegliederte. Du musst verständnisvoll und einfühlsam sein, dich in die jeweiligen Personen hineinversetzen können und Mitgefühl zeigen. Auch Geduld ist eine Grundvoraussetzung, da sich nicht jedes Problem schnell lösen lässt und nicht jeder Mensch sich helfen lassen möchte.

Rückschläge gehören zur Tagesordnung. Du musst sie gut wegstecken können und darfst sie nicht zu persönlich nehmen. Denn auch, wenn du als Sozialarbeiter teilweise täglich mit ein und denselben Menschen zu tun hast und du sie als deine "Schützlinge" bezeichnen kannst, musst du lernen, eine gewisse Distanz zu wahren. Außerdem ist Verantwortungsgefühl sehr wichtig. Du nimmst die Menschen unter deine Fittiche, stehst für sie ein und übernimmst die Verantwortung für ihr Handeln.

Schlüsselkompetenzen

Neben den Grundvoraussetzungen erlangst du im Studium einige Schlüsselkompetenzen. Die vier Wichtigsten sind:

  • Strategische Kompetenz: Klare Ziele durch konkrete Überlegungen und Planungen erreichen.
  • Methodenkompetenz: Verfahren der Sozialen Arbeit anwenden und planmäßig vorgehen.
  • Sozialpädagogische Kompetenz: Sie ist von den pädagogischen Wissens- und Handlungsgrundlagen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen geprägt, aber auch die Bildungsarbeit mit Erwachsenen wird dazugezählt.
  • Sozialrechtliche Kompetenz: Diese Kompetenz ist notwendig, weil in vielen Fällen die Sozialarbeiter ihr Klientel vertreten oder von Amts wegen betreuen und verstehen müssen, welche Rechte sie haben.

Es gibt außerdem noch die sozialadministrative, die personale, kommunikative und die professionsethische Kompetenz, die sozialprofessionelle Beratungskompetenz und die Kompetenz zur Praxisforschung.

Weitere Informationen dazu und Tipps, was du bei der Entscheidung für das richtige Studium beachten solltest, gibt’s im "Branchenbuch – grundständige Studienangebote Soziale Arbeit" der DBSH.

Tätigkeitsfelder für Sozial-Arbeiter

Mit dem Abschluss in der Tasche stehen dir viele Tätigkeitsfelder offen, die sich darin unterscheiden, mit welcher Zielgruppe sie sich beschäftigen und welche Methoden sie anwenden. UNICCHECK stellt dir drei mögliche Einsatzgebiete vor.

  • Erlebnispädagogik: Als Erlebnispädagoge arbeitest du bei freien Trägern oder selbständig mit Kindern und Jugendlichen. Die Betreuung und Unterstützung steht bei der Tätigkeit im Vordergrund. Entweder findet sie in Gruppen- oder Einzelarbeit statt. Du ermöglichst den Teilnehmern besondere Erlebnisse, besprichst und reflektierst sie. Welchen Einfluss hat das Erlebte auf den individuellen Alltag? Was nimmt jeder Einzelne aus der ganzen Sache mit? Aus Erlebnissen werden Erfahrungen, aus Erfahrungen werden dann Erkenntnisse gezogen.

    Erlebnispädagogen bieten unter anderem pädagogisches Klettern an. Dort lernen Jugendliche den Sport kennen, dürfen selbst klettern und andere sichern. Das stärkt das Selbstbewusstsein, das Vertrauen und bei Gruppen das Zusammengehörigkeitsgefühl. Beim Klettern muss sich jeder auf seinen Partner verlassen können, damit keiner abrutscht und sich verletzt. Ohne genaue Absprachen und Konzentration geht es nicht. Erlebnispädagogen übernehmen damit nicht nur die Betreuung, sondern gleichzeitig die sportliche Leitung. In den meisten Fällen ist Erlebnispädagogik jedoch nur ein kleiner Bereich der Arbeit. 
     
  • Bewährungshilfe: Die Bewährungshilfe ist eine Schnittstelle zwischen Justiz und Sozialer Arbeit. Bewährungshelfer betreuen Personen, die straffällig geworden sind und bei denen die Betreuung gerichtlich angeordnet wurde. Die Personen können sich aber auch außerhalb einer gerichtlich angeordneten Betreuung dazu bereit erklären, diese in Anspruch zu nehmen. Wenn du dich für die Tätigkeit entscheidest, unterstützt du die Straftäter bei der Problembewältigung und der sozialen Wiedereingliederung, um einen straffälligen Rückfall zu vermeiden. Du gehst mit ihnen auf Wohnungs- oder Arbeitssuche und begleitest sie bei Behördengängen. Außerdem berichtest du dem Gericht regelmäßig von der aktuellen Lebenssituation deiner Schützlinge. In den meisten Bundesländern sind die Bewährungshelfer bei der Justiz angestellt. Für diesen Werdegang ist es sinnvoll, dich im Studium auf die Resozialisierung zu spezialisieren. Es ist aber kein Muss.
     
  • Streetworking: Streetworker sind Straßensozialarbeiter. Anders als in den andern Tätigkeitsbereichen kommen die hilfebedürftigen Personen meist nicht direkt auf dich zu, sondern du musst sie gezielt ansprechen. Dafür gehst du auf die Straße und suchst Kontakt zu Hilfebedürftigen, die durch Obdachlosigkeit, Prostitution, Arbeitslosigkeit, Drogenkonsum, Kriminalität oder andere Probleme stark belastet sind. Vor allem sollen dabei die angesprochen werden, die sich nicht in Vereinen, Verbänden oder Jugendzentren aufhalten. Wer Berührungsängste hat und sich scheut fremde Menschen anzusprechen, hat es schwer in dem Job.

    Deine Aufgabe ist es, den Menschen auf der Straße Alternativen und Perspektiven aufzuzeigen. Immer und immer wieder gehst du auf die Personen zu, informierst sie über deine Tätigkeit und machst Vorschläge, wie ihr zusammen arbeiten könnt. Der Kontakt zwischen dem Streetworker und den Schützlingen läuft auf freiwilliger Basis ab und kann von beiden Seiten jederzeit beendet werden. Deswegen ist es wichtig, dass ihr Vertrauen aufbaut. Es gibt auch Streetworker, die nicht direkt auf der Straße sind, sondern in Jugendzentren oder auch Aids-Präventionsstellen arbeiten und dort den Menschen helfen. Angestellt bist du in der Regel bei freien Trägern der Jugend- und Wohlfahrtspflege.

UNICHECK-Tipp

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